Bereifter Pfifferling, Blasser Nadelwaldpfifferling, Cantharellus subpruinosus

DER BEREIFTE PFIFFERLING IST ESSBAR | ZWISCHEN ECHTEN PFIFFERLINGEN & GERNE IM NADELWALD ZU FINDEN

Bezeichnung

Bereifter Pfifferling, Bereifter Pfiffferlingsleistling, Bereifter Eierschwammerl, Bereifter Eierleistling, Cantharellus subpruinosus

Diese Art finden

Der Bereifte Pfifferling ist ein Symbiosepilz, der laut der Literatur in verschiedenen Waldarten gefunden werden kann. Ursprünglich beschrieben wurde die Art laut meinen Nachforschungen eigentlich als typischer Nadelwaldbewohner, der die Fichte und Kiefer als Symbiosepartner bevorzugt. Fundmeldungen & Kartierungen zeigen demgegenüber aber zumindest in Deutschland ein komplett anderes Bild. Die meisten Fundmeldungen stammen aus Laub- und Laubmischwäldern und als Symbiosepartner wird meist die Rotbuche angegeben. 

Da der Blasse Laubwaldpfifferling und der Bereifte Pfifferling gerne miteinander verwechselt werden war mein erster Gedanke bei den kartierten Bereiften Pfifferlingen im Laubwald bei Rotbuche: Handelt es sich eventuell um Verwechslungen? Bei so vielen Kartierungen wie auf pilze-deutschland.de, einer wirklich seriösen Quelle, mit Rotbuchen-Beteiligung kann man eigentlich nicht davon ausgehen, dass das Zufall ist oder die Kartierungen alle fehlbestimmt wurden, zumal vor allem Pilzsachverständige die Datenbank füllen und ich davon ausgehe, dass viele der kartierten Bereiften Pfifferlinge auch mikroskopisch abgesichert wurden. Somit muss man davon ausgehen, dass der Bereifte Pfifferling wohl tatsächlich häufiger in Laub- und Laubmischwäldern gefunden werden kann.

Hauptsaison haben eigentlich alle Pfifferlingsarten bei uns in Oberbayern vor allem in den typischen Sommermonaten Juni, Juli und August. Insgesamt finden kann man Pfifferlinge bei uns in Oberbayern in der Regel von Mai bis November. Bei einem milden start in den Winter gerne auch bis in den Dezember hinein.

Unser Fund des Bereiften Pfifferlings stammt aus einem eher sauren Kiefernmischwald mit eingestreuten Buchen und wurde im Pilzmonat Juni gemacht. Die Bereiften Pfifferlinge standen dabei tatsächlich zwischen unzähligen Echten Pfifferlingen mitten auf einem Waldweg. 

Speisewert & Verwendbarkeit

Der Bereifte Pfifferling wäre theoretisch essbar und ein hervorragender Speisepilz. Unterschiede beim Speisewert gibt es im Vergleich zu den anderen Pfifferlingsraten höchstwahrscheinlich nicht. Der Bereifte Pfifferling wird allerdings als selten bis sehr selten beschrieben, weshalb eine Schonung der Art auf alle Fälle angedacht werden sollte, solange man die Art nicht in unterschiedlichen Habitaten in größerer Anzahl antrifft.

Zur Seltenheit: Wir konnten in all den Jahren bei im Schnitt 150 Waldrunden pro Jahr bisher erst ein einziges Habitat der Bereiften Pfifferlinge bei uns in den Landkreisen Mühldorf & Altötting in Oberbayern entdecken. Bisher ist der Bereifte Pfifferling bei uns in der Region damit mit großem Abstand die seltenste Art aus der Artengruppe der Pfifferlinge. Wir sammeln die Art alleine schon deshalb bisher nicht für Speisezwecke.



Beschreibung

Der Bereifte Pfifferling erreicht einen Hutdurchmesser von bis zu acht Zentimetern. Die Hutoberseite ist weißlich bis hellweißgelblich gefärbt und seidig bereift. Mit zunehmendem Alter verfärbt sich der Bereifte Pfifferling gerne etwas intensiver gelblich ist aber auch dann insgesamt deutlich blasser gefärbt als der Echte Pfifferling.

Auf der Hutunterseite befinden sich beim Bereiften Pfifferling leuchtend gelblich gefärbte Leisten. Die Leisten sind dabei nicht nur deutlich intensiver gefärbt als beim Blassen Pfifferling, sondern waren auch im Vergleich zum Echten Pfifferling eine Spur greller gefärbt. Mit zunehmendem Alter verfärben sich die Bereiften Pfifferlinge vom Hutrand aus gerne orange bis rotorange. Die Leisten laufen weit am Stiel herab und fallen aderig verbunden aus. Das Sporenpulver ist weißgelblich gefärbt.

Der Stiel der Bereiften Pfifferlinge fällt weißgelblich gefärbt und weißlich bereift aus. Der Stiel ist in der Regel auch bei ausgewachsenen Fruchtkörpern voll. Auf Druck verfärbt sich der Stiel oberflächlich gelblich. Im oberen Stieldrittel befindet sich meist der Ansatz der Leisten. Darunter ist der Stiel, bis auf die Bereifung, weitestgehend glatt.

Das Fleisch ist weißlich bis weißgelblich gefärbt und besitzt den typischen, etwas fruchtig-pilzigen Pfifferlingsgeruch. Die Geschmacksprobe fällt aromatisch pilzig aus. Die für Pfifferlinge typische schwach pfeffrige Geschmackskomponente ist vorhanden.

Kernmerkmale

Vor allem die Unterscheidung zwischen dem Blassen Pfifferling und dem Bereiften Pfifferling ist nicht einfach, vor allem dann, wenn der Bereifte Pfifferling tatsächlich im Laubwald bei Buche gefunden wird - dem typischen Habitat des Blassen (Laubwald)Pfifferligns. Folgende Merkmale können auf einen Fund des Bereiften Pfifferlings hindeuten

  • Habitat Nadel- oder Nadelmischwald (Fichte / Kiefer)
  • Seidig bereifte Hutoberseite
  • Hutfarben (weißlich bis weißgelblich / sehr hell) & ohne erkennbaren Unterschied zum Blassen Laubwaldpfifferling
  • Leisten (leuchtend gelblich / sehr intensiv) & mit deutlich erkennbarem Unterschied zum Blassen Laubwaldpfifferling
  • Hutoberseite & Hutunterseite somit extrem unterschiedlich gefärbt
  • Struktur der Leisten eher wie beim Echten Pfifferling

Bei unserem Erstfund des Bereiften Pfifferlings waren es zuerst das Habitat (Nadelmischwald / Kiefernmischwald) und dann die im direkten Vergleich zum Blassen Pfifferling, der aus Funden im Kalkbuchenwald noch im Korb lag, unterschiedlichen Farben bei den Leisten.

Wer die Bestimmung mikrokopisch absichern möchte - die Sporengröße zwischen dem Blassen & Bereiften Pfifferling soll sich deutlich unterscheiden:

  • Blasser Laubwaldpfifferling: 7,5-10,5 x 4-6,5
  • Bereifter Pfifferling: 6-8,5 x 4-5

Eigene Art mit klaren Merkmalen oder vieleicht auch nicht?

Es ist mir bei meinen Nachforschungen in der Literatur extrem schwer gefallen wirklich handfeste, aktuelle Details zum Bereiften Pfifferling zu finden. Die Bandbreite der Informationen reicht von reine Nadelwald-Art, vor allem bei Rotbuche zu finden, keine eigene Art, sondern ein Synonym zum Blassen Laubwaldpfifferling und auch die jeweils beschriebenen Merkmale des Bereiften Pfifferlings schwanken zwischen den Autoren teilweise stark. Es ist also - wie so oft, wenn man tiefer in die Mykologie einsteigt, kompliziert den aktuellen Stand zur Sachlage herauszufinden und dann natürlich auch auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

Eine interessante (leider kostenpflichtige) Quelle zum Thema wäre eventuell noch “Cantharellus (Cantharellales, Basidiomycota) revisited in Europe through a multigene phylogeny” - https://link.springer.com/article/10.1007/s13225-016-0376-7 - Hier wird der Bereiften Pfifferling zum Beispiel nicht als eigene Art, sondern als Synonym zum Blassen Laubwald-Pfifferling beschrieben.

Aus meiner persönlichen Sicht ist ein “Blasser Pfifferling im Nadelmischwald, der zudem farblich auch jung extrem vom Echten Pfifferling abweicht und bei dem sich Hutfarbe und Leistenfarbe stark unterscheiden bzw. zusätzlich die häufig beschriebene Bereifung zu sehen ist" der Bereifte Pfifferling. Siehe auch die gleich folgenden Kernmerkmale.