Herbstlorchel, Helvella crispa

HERBSTLORCHELN SIND FÜR UNS KEINE SPEISEPILZE | ENTHÄLT GYROMITRIN


Bezeichnung

Herbstlorchel, Krause Lorchel, Helvella crispa

Synonyme

Helvella pallida, Helvella alba, Helvella nivea, Helvella monacella, Helvella nigricans, Helvella sulcata, Phallus crispus, Phallus costatus, Costapeda crispa

Gattung

Helvella, Lorcheln

Verwechslung

Diese Art finden

Die Herbstlorchel ist ein Folgezersetzer, den man vor allem im Herbst und Spätherbst finden kann. Hauptsaison hat die Art in den meisten Pilzjahren vor allem in der zweiten Oktoberhälfte und im November. Finden kann man die Herbstlorchel dabei in den verschiedensten Waldarten und dort dann gerne auf Waldwegen und Wegesrändern.

Die Herbstlorchel reagiert sehr stark auf schwankende Temperaturen. So ist die Art bei einem starken Kälteeinbruch in manchen Jahren tatsächlich auch schon Anfang September zu finden gewesen. Ist es im Spätherbst dafür dann lange mild, sind auch Funde der Art bis weit in den Dezember hinein ohne weiteres möglich.

Beschreibung

Die Herbstlorchel erreicht einen Hutdurchmesser von bis zu acht Zentimetern. Die Art besitzt dabei eine typische, milchig weiße Farbe, die manchmal aber auch etwas ins hellcremebräunliche übergehen kann. Das Kopfteil der Herbstlorchel ist dabei sehr unregelmäßig geformt, mehrlappig und nicht mit dem Stiel verbunden. Das Kopfteil fällt außerdem gerne sattelförmig aus.

Den größten Teil des Fruchtkörpers macht bei der Herbstlorchel in der Regel der Stiel aus. Der Stiel erreicht eine Länge von bis zu zwölf und einen Durchmesser von bis zu vier Zentimetern. Auch der Stiel ist milchig weißlich bis hellcremebräunlich gefärbt. Der Stiel ist außerdem kammerartig hohl und längsgefurcht.

Die Herbstlorchel besitzt weißlich gefärbtes Sporenpulver. Auch das Fleisch der Herbstlorchel ist milchig weißlich gefärbt und besitzt die für Morcheln, Lorcheln & Verpeln typische wachsartige, brüchige Konsistenz.

Die Herbstlorchel besitzt einen angenehm pilzigen Geruch und eine ebenso angenehm pilzige Geschmacksprobe. Rohe Geschmacksproben der Art sollten auf Grund des Gyromitringehalts vermieden werden.

Kein Speisepilz

Die Herbstlorchel ist für uns kein Speisepilz, wird in nicht wenigen Pilzbüchern aber oft auch als "korrekt zubereitet essbar" bezeichnet. In anderen Pilzbüchern wiederrum findet man dafür dann sogar Hinweise auf Vergiftungserscheinungen durch vermeintlich korrekt zubereiteter Fruchtkörper. Es ist hier also auch nicht auszuschließen, dass einige Menschen die Herbstlorchel selbst korrekt zubereitet einfach nicht vertragen.

Hinzu kommt, dass die Herbstlorchel den Giftstoff Gyromitrin enthält. Das Gift Gyromitrin kann zu Organschäden führen, was für uns ebenfalls dazu führt, dass wir die Herbstlorchel als giftig beschreiben. Der Giftstoff Gyromitrin verflüchtigt sich zwar beim Erhitzen oder Trocknen der Fruchtkörper überwiegend, ob der Giftstoff sich dabei wirklich komplett auflöst, oder ob noch Rückstände des Gyromitrins in den zubereiteten Fruchtkörpern zurückbleiben ist schwer bis gar nicht sicher zu beurteilen. Dementsprechend ist generell vom Verzehr gyromitrinhaltiger Arten abzuraten.

Gyromitra-Syndrom

Wie schon im vorherigen Abschnitt beschrieben enthält die Herbstlorchel den Giftstoff Gyromitrin. Die Herbstlorchel enthält im Vergleich zu anderen Arten zwar vergleichsweise wenig Gyromitrin, dennoch ist Gyromitrin ein Giftstoff, der immer wieder zu lebensbedrohlichen Vergiftungen führt.

Das Gyromitrin kann zum Gyromitra-Syndrom führen. Das Gift greift dann die Nieren und die Leber an und kann zu lebensbedrohlichen Flüssigkeitsverlusten führen. Der Blutdruck sinkt, aber der Puls steigt. Nach nur wenigen Tagen kommt es zu irreversiblen Schäden an Nieren und Leber.

Die Latenzzeit einer Vergiftung beträgt dabei 6-24 Stunden. Die tödliche Dosis bei einem Erwachsenen liegt je nach Körpergewicht im Bereich zwischen 25-50 Milligramm Gyromitrin. Bei Kindern kann eine tödliche Dosis schon bei unter 10 Milligramm beginnen.

In der Literatur wird hier immer wieder von Todesfällen berichtet. Vor allem nach mehreren kurz aufeinanderfolgenden Mahlzeiten mit gyromitrinhaltigen Arten, oder auch beim Verzehr unzureichend gegarter, stark gyromitrinhaltiger Arten wird es dabei eher schnell als langsam richtig gefährlich. Wird das Gyromitra-Syndrom überlebt, dann bleiben meist dauerhaft geschädigte Leber & Nieren zurück.

Für uns ist die Herbstlorchel deshalb definitiv kein Speisepilz. Auch wenn das Gift bei richtiger Zubereitungs möglicherweise keinen Schaden anrichtet, so stufen wir das Risiko einer falschen Zubereitung, oder auch das Risiko, dass trotz richtiger Zubereitung Gyromitrin in den Fruchtkörpern verbleibt als relativ hoch ein.

Deshalb lieber auf den Genuss der Herbstlorchel (und auch anderer gyromitrinhaltiger Arten) verzichten - für eine Pilzmahlzeit Leber- bzw. Nierenschäden, oder sogar den Tod zu riskieren ist es nicht wert.